Kurz gesagt: Bei den meisten Menschen steigt das Wohlbefinden mit dem Einkommen weiter, auch über 75.000 Dollar im Jahr. Nur bei den Unglücklichsten, etwa jedem Fünften, bringt mehr Geld ab rund 100.000 Dollar nichts mehr. Ob jemand wegen des Geldes glücklicher ist, zeigen die Daten allerdings nicht. Und alle Daten stammen aus den USA.
Woher kommt die 75.000-Dollar-Grenze?
Aus einer Studie von 2010. Der Nobelpreisträger Daniel Kahneman und Angus Deaton haben dafür über 450.000 Antworten ausgewertet. Die Antworten stammten aus einer Umfrage des Instituts Gallup in den USA.
Das Ergebnis der beiden hatte zwei Teile. Das Gefühl im Alltag stieg mit dem Einkommen bis etwa 75.000 Dollar im Jahr, danach nicht mehr. Wie zufrieden die Menschen mit ihrem Leben insgesamt waren, stieg dagegen weiter. In der öffentlichen Erinnerung blieb nur der erste Teil hängen.
Stimmt die Grenze?
Für die meisten Menschen nicht. Der Forscher Matthew Killingsworth hat 2021 eine andere Methode benutzt. Er hat 33.391 Berufstätige in den USA immer wieder über das Handy gefragt, wie sie sich gerade fühlen. So kamen 1.725.994 Antworten zusammen. Eine Grenze bei 75.000 Dollar fand er nicht.
Damit standen zwei Ergebnisse gegeneinander. Kahneman und Killingsworth haben die Daten deshalb gemeinsam neu ausgewertet, zusammen mit Barbara Mellers. Das Ergebnis der gemeinsamen Auswertung von 2023:
- Bei den meisten Menschen steigt das Wohlbefinden mit dem Einkommen weiter.
- Bei den Glücklichsten steigt es oberhalb von 100.000 Dollar sogar schneller.
- Nur bei den unglücklichsten 20 Prozent flacht es ab, ab etwa 100.000 Dollar im Jahr.
Für diese Gruppe vermuten die Forscher Kummer, den Geld nicht löst. Als Beispiele nennen sie Liebeskummer, Trauer und Depression.
Macht also das Geld glücklich?
Das ist eine andere Frage, und hier wird es strittig. Die Psychologin Julia Rohrer von der Universität Leipzig und Sebastian Wenz vom Sozialforschungsinstitut GESIS haben 2024 widersprochen. Die Auswertung setze Annahmen über Ursache und Wirkung voraus, die nicht belegt seien.
Belegt ist also etwas Kleineres: Wer mehr verdient, fühlt sich im Schnitt besser. Ob er sich wegen des Geldes besser fühlt, zeigen die Daten nicht.
Wie viel Geld würde dich glücklicher machen?
Die Forschung kann sagen, wie Einkommen und Wohlbefinden zusammenhängen. Was mehr Geld für dich kostet, an Zeit, an Arbeit, an anderem, sagt sie nicht. Darum lohnt sich die Frage an dich selbst: Wie viel Geld würde dich glücklicher machen? Und zu welchem Preis?
Was die Forschung noch nicht weiß
- Ob das Geld der Grund für das höhere Wohlbefinden ist oder nur damit zusammenhängt.
- Ob die Ergebnisse außerhalb der USA genauso gelten. Alle hier genannten Daten stammen aus den USA.
- Was genau gemessen wird, macht einen Unterschied: das Gefühl in einem Moment oder die Zufriedenheit mit dem ganzen Leben.
Quellen
- Kahneman, Deaton: High income improves evaluation of life but not emotional well-being, PNAS 2010
- Killingsworth: Experienced well-being rises with income, even above $75,000 per year, PNAS 2021
- Killingsworth, Kahneman, Mellers: Income and emotional well-being: A conflict resolved, PNAS 2023
- Rohrer, Wenz: Inappropriate causal assumptions underlie Killingsworth, Kahneman, and Mellers' conclusions, PNAS 2024
Stand: 22. Oktober 2026. Daniel Kahneman ist im März 2024 gestorben. Recherchiert mit KI (Claude, von Anthropic). Keine Anlageberatung, keine Produktempfehlung. Wir verdienen nichts an dem, was wir hier ansehen. Wenn dir ein Fehler auffällt, schreib an hi@mindfulreflect.com. Wir korrigieren sichtbar und schreiben dazu, was vorher dastand.